Haartransplantation, Haar, Transplantation

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Eine Wundersalbe, die den kahlen Kopf mit Haaren verwachsen lässt - ein Traum für fünfundfünfzig Prozent Männer, die unter Alopezie leiden. Zum Glück herrscht heutzutage Emanzipation, so dass der Haarverlust auch sechzehn Prozent der Frauen betrifft. Doch Wundersalben gehören nur in die Märchenwelt. Im wirklichen Leben leidet man für die Schönheit.

So legte ich meinen Kopf mit so großen Ecken, dass man dort hätte Versteck spielen können, auf den Operationstisch und ließ meine Stirn mit widerstandsfähigem Haarbewuchs aus dem Genickbereich bepflanzen. Ich fühlte mich wie ein Lappen in der Nähmaschine, aber ich war gespannt, in wie weit eine solche Operation den Menschen ändern kann. Körperlich, aber insbesondere seelisch...

Ein Mittel zu entdecken, mit dem man an einem Tag den kahlen Kopf einreiben würde und bereits am nächsten Tag Modefrisuren kreieren könnte, das ist ewige Traum aller Kosmetikproduzenten. Und da sie an den Traum glauben, kommen sie immer wieder mit einem neuen und diesmal ganz sicher wirkenden Präparat, dessen Anwendung den kahlen Kopf mit üppigem Schopf bewachsen lässt.

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Ein Mensch wird geboren – neu, hübscher, behaarter...

Foto: REFLEX

„Ich glaube an diese Wundersalben und Wunderpräparate nicht,“ sagt MUDr. Petr Hajduk, Chefarzt der GHO Clinic. „Wenn sie ein inneres Problem haben, können sie es nicht mit äußerer Anwendung beseitigen.“ Mit anderen Worten – Wundersalben funktionieren einfach nicht. Eine gewisse Lösung sind nur Tabletten, die Finasterid enthalten – der einzige bisher bekannte Stoff, der die Bildung von DH-Testosteron verhindert, welches für den Haarausfall verantwortlich ist. Auf unserem Markt sind mindestens vier Präparate dieses Typs erhältlich; alle sind rezeptpflichtig und werden erst nach einer Blutuntersuchung verschrieben. Die billigsten kosten monatlich zirka 330 Kronen, wer jedoch ausschließlich Produkte "Made in USA" bevorzugt, bezahlt fünf Mal so viel. Es hat jedoch ein kleines Problem: alle diese Wunderpillen sind langfristig einzunehmen, was in der Tat bedeutet – für immer.

Wer die Aufforstung der kahlen Hänge seines Hauptes wirklich ernst nimmt, der grundsätzlich nur eine einzige Lösung parat hat– die Haartransplantation. Eine Wundersalbe wäre wohl für Männer aller Kasten erschwinglich, diese Operation – Folicular Unit Extraction (FUE) genannt, ist jedoch nicht mehr für einen Volkspreis. Pro transplantierter Wurzel werden 95 Kronen berechnet – und bei einer Operation mit einem Tausend transplantierter Wurzeln.... Dieser Preis enthält jedoch alles, angefangen von der Arbeit, über die Arzneimittel bis hin zur Baguette zum Mittagessen..

Kauf dir ein Haar!

Entscheidend ist der erste Schritt – brauche ich wirklich die Haartransplantation? Meine Haare räumen zwar bereits seit mehreren Jahren ihre Positionen und ziehen sich in die Ecken zurück, aber ich bin kein Jüngling mehr und jede Frau kann man doch schließlich beschwatzen. Ich brauche also keine Transplantation. Andererseits - warum nicht hübscher sein? Oder sich zumindest hübscher fühlen... Dazu bin ich ein neugieriger Mensch und Neugier tut manchmal weh. Also los! Übrigens, heutzutage ist es ein ziemlich trendiger und geläufiger Eingriff, so wie für Frauen eine der vielen plastischen Operationen. Nur in der GHO Klinik unterziehen sich diesem Eingriff im Schnitt zehn Patienten wöchentlich, davon zwei Frauen. Die Anzahl der Beratungen ist ungefähr doppelt so hoch.

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Alles beginnt mit einer Handvoll verschiedener Tabletten - wäre ich drogenabhängig, so bliebe mir nichts zu wünschen übrig!

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Zum letzten Mal ein Blick auf meinen alten Kopf – in ein paar Stunden wird er blutig, aber behaart sein!

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'Von hier nehmen wir fünf Hundert Haare und verpflanzen sie in die Ecken,' sagt MUDr. Hajduk

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Ein Photo als Erinnerung und für das Archiv der GHO Clinic – bitte lächeln und glatzköpfig schauen

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„Grundsätzlich können wir unsere Kunden in drei Kategorien einteilen,“ erklärt MUDr. Hajduk bei unserem ersten Treffen, als er zuerst meinen Haarbewuchs kontrolliert, mich dann auf die Haare meines Vaters, Großvaters, Urgroßvaters und einiger Vorfahren, die im Dreißigjährigen Krieg kämpften, befragt und mich schließlich als „transplantationstauglich“ erklärt, „die ersten davon sind sehr junge Männer, die morgens nach einer Party sehen, dass ein paar Haar ausgefallen sind und Panik machen; denen empfehle ich meist, mit der Transplantation noch einige Zeit zu warten. Die zweite Kategorie sind Dreißigjährige, die langsam feststellen, dass deren Schopf nicht mehr wie mit achtzehn Jahren aussieht, trotzdem aber noch attraktiv aussehen und Frauen anmachen wollen - diese sind dafür schon erstmal mental bereits etwas reifer und haben zusätzlich für einen solchen Eingriff genug Geld; hier ist meist kein Problem. Die dritte Gruppe sind Vierzigjährige und ältere Männer. Diese machen es meist nicht mehr wegen Frauen – gewöhnlich haben sie meist eine Ehefrau und auch eine Geliebte, fünfzig Tausend für einen neuen Pony bedeutet für sie nichts, sie möchten aber noch sich selbst davon überzeugen, dass sie ihr „Altwerden“ noch unter Kontrolle haben.“

Ich überlege, zu welcher Kategorie ich mit meinen fünfunddreißig Jahren gehöre – mache ich es wegen den Mädels oder dem Altern? Mental fühle ich mich manchmal noch wie unter dem Gesetz zum Schutz von Minderjährigen, und was die Depressionen wegen der fortschreitenden Glatze betrifft, ich habe einmal gelesen, dass es auch Frauen gibt, die mehr interessiert, was die Männer im Kopf als auf dem Kopf tragen....

„Am schlimmsten sind Kunden so gegen zwanzig, die wirklich unter starker und erblicher Alopezie leiden und dies sofort mit einer Haartransplantation lösen wollen - es ist sehr schwierig, denen zu erklären, dass sie künftig in zwei Fallen geraten können: erstens in eine visuelle, wenn sie alle Haare im Genick verlieren und bei den nächsten Operationen keine mehr zur Verfügung stehen, und zweitens in eine finanzielle Falle, da sie zwar eine behaarte Stirn haben, da die aus dem Genick verpflanzten Haare aus der Stirn nicht mehr ausfallen, aber die Alopezie kann fortschreiten und sie brauchen wieder und wieder weitere zehn Tausende Kronen, um dies zu verdecken. Es ist äußerst schwierig, dies solchen jungen Männern zu erklären - meist sind sie überzeugt, dass sie sich jetzt alles kaufen können.“

Leicht speichelnder Patient

Am zweiten Tag kommt die Operation. Punkt acht Uhr ziehe ich mich im Zimmer in einen grünes Operationshabit um, die Krankenschwester kommt und bringt mir eine Handvoll Tabletten - Antibiotika zur Beruhigung, Antiallergika, eine Tablette gegen Blutung und eine Kapsel gegen Schmerzen, das Herz eines Drogensüchtigen würde über diese Menge jubeln. Etwas später lege ich mich im Operationssaal auf eine Liege, schön auf den Bauch wie beim Masseur. Theoretisch weiß ich ganz genau, was mich jetzt erwartet – aus dem Genick, wo die Haare genetisch etwas anders als auf der Stirn programmiert sind, sodass sie auf das Testosteron-Derivat nicht reagieren (und deshalb auch glatzköpfige Männer den bekannten Ring haben), werden die Haare auf die Stirn übertragen; sie füllen einfach die Ecken aus, damit ich künftig in der Gesellschaft nicht in der Ecke stehen muss. Praktisch bin ich jedoch sehr gespannt in Erwartung dessen, was auf mich zukommt.

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Die Tabletten wirken bereits – die Welt ist rosa und die Lila-Kreatur vor mir passt genau hierher.

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So verbringe ich mehrere Stunden. Ich speichle unkontrolliert – wegen der Tabletten und der Beine der Ärztin.

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Anästhesie wie beim Zahnarzt – jedoch anstatt einer Spritze in das Zahnfleisch sind es fünfzehn Spritzen in das Genick

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Während der Operation verliere ich bis zu fünfzig Milliliter Körperflüssigkeit – solch ein Blutverlust!

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Der erste Schritt ist die Anästhesie; so ähnlich wie beim Zahnarzt. In das Genick wird in Zentimeter-Abständen fünfzehn Mal eine Spritze gestochen und unter die Haut Supracain injiziert. Ich werde versichert, dass es sich um ein zahnärztliches Anästhetikum handelt, das ganz schnell einsetzt, ungefähr zwei Stunden lang wirkt und nur wenig toxisch ist. Ich bin froh, dass mein mit einer schmerzvollen Grimasse grinsendes Gesicht nicht zu sehen ist. Nach ein paar Minuten beginnt mit Hilfe eines Bohrers mit 4800 Umdrehungen pro Minute und einer Nadel mit einem Durchschnitt von 0,7 Millimetern die Entnahme der zu transplantierenden Haare. In der Fachsprache heißt es - auf ein auf die Länge von zwei Millimetern geschnittenes Haar wird eine Nadel eingesetzt und mit dem Bohrer wird die sog. Follikel-Einheit aus dem Gewebe buchstäblich ausgebohrt. Diese Einheit enthält ein bis drei Haare, die dann in einer physiologischen Lösung – einer Mischung von Glukose, Vitaminen und Antioxidationsmitteln – aufbewahrt wird. Ich spüre nichts – solange das Anästhetikum wirkt, dann aber beginnt sich der Bohrer in die empfindliche Haut einzubeißen, und ich bekomme Spritzen.

Bei der Betäubung höre ich ein Geräusch, als ob jemand ein ganz feines Tuch reißen würde. Es ist kein unangenehmes Geräusch, als ob ich davon überhaupt nicht betroffen wäre, denke ich mir. Mein Blick wandelt auf dem Linoleum und berührt die Beine der Ärztin, die mir aus dem Genick die Follikel-Einheiten herausschraubt; in zwei Stunden sind es insgesamt fünf Hundert, von der Schwester sorgfältig gezählt. Das regelmäßige Klicken des Zählers und die starken Medikamente schläfern mich langsam ein. Ich werde durch ein leises regelmäßiges Platschen geweckt – aus meinem halboffenen Mund fließt Speichel, der in die Sandalen der Ärztin fällt. Ich murmle Worte der Entschuldigung. „Das ist in Ordnung, das machen die Medikamente,“ sagt eine Stimme über meinem Kopf.

Endlich landet die fünfhundertste Follikel-Einheit in der Lösung, ich kann aufstehen. Der Operationssaal tanzt vor meinen Augen und der Blick auf den mit blutgetränktem Mull gefüllten Abfalleimer lässt meinen Magen leicht drehen; es wurde mir gesagt, dass ich nicht mehr als fünfzig Milliliter Blut verlieren würde, ungefähr das Doppelte der gewöhnlichen Blutabnahme beim Arzt, sodass ich wahrscheinlich noch nicht verblutete. David Kraus freut sich über meinen Zustand und fotografiert begeistert. Die Krankenschwester begleitet mich in mein Zimmer, wo auf mich das Mittagessen wartet – betäubt kaue ich eine Baguette mit Käse und stumpf glotze ich in die Zimmerecke; den Blick in den Spiegel meide ich noch peinlichst.

Gigolo – von frauen beliebt

Nach einer Stunde gehe ich zurück in den Operationssaal. Das Bett wurde in eine halbsitzende Position verändert, ähnlich wie beim Zahnarzt. Und wieder fühle ich mich wie in einer Nähmaschine, in die Haut werden Spritzen eingestochen, die meine Stirn mit einem Anästhetikum füllen; sie bleibt noch mehrere Tage angeschwollen, als ob da ein Bienenschwarm Party gemacht hätte. Ich kann noch den Arzt hören, der erklärt: „Das Anästhetikum betäubt erstens den operierten Bereich und zweitens zieht der im Anästhetikum enthaltene Stoff die Gefäße zusammen, sodass die Blutung reduziert wird. Das ermöglicht uns die Haarverpflanzung in die Stirn.“

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Ein Bad für die aus dem Genick entnommenen Haare – eine Mischung aus Glukose, Vitaminen und Antioxidationsmitteln

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Leider habe ich gefrühstückt – das Anästhetikum lässt bald nach und ich muss neue Spritzen kriegen

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Käsebaguette und Wasser zum Mittagessen – durch die Medikamente betäubt weiß aber überhaupt nicht, was ich kaue

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Die zweite Runde beginnt – in die Stirn werden 500 Löcher gemacht und in diese die gleiche Anzahl Haare eingepflanzt.

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Dann bin ich eingeschlafen, nur ab und zu wurde ich wach, wenn einer der Ärzte meinen fallenden Kopf aufrichtete. Erst später erfuhr ich, was mit mir im Schlaf passierte. Von beiden Seiten kamen zu meinem armen Kopf zwei Ärzte, die dann parallel mein blutiges Beet bepflanzten. „Je kürzer die Haare außerhalb des Körpers sind, um so besser – wir machen sozusagen ein Wettrennen mit der Zeit, daher zwei Ärzte,“ erklärt später bei einer Kontrolle Chefarzt Hajduk. Mit der gleichen Nadel mit Titan-Spitze, mit welcher auch die Haare aus dem Genick entnommen wurden, nur mit einem kleineren Durchmesser von 0,65 Millimeter, werden in die Stirn zuerst alle fünfhundert leicht blutende Löcher gemacht – zu diesem Zeitpunkt möchte ich meinen Kopf wirklich nicht gesehen haben! In dieses vorbereitete Beet wird danach mit zwei Pinzetten der neue Rasen gepflanzt – mit der ersten Pinzette wird das kleine Loch auseinander gezogen, mit der zweiten wird das Haar eingelegt. Die Haut ist elastisch, sie zieht sich um das Haar zusammen und saugt die Haarzwiebel ein. Der Bluttropfen aus jeder Wunde wirkt wie ein Klebstoff – in zwei Stunden sitzt das Haar fest in der Haut...

Chefarzt Hajduk schaut sich sein Werk an – er ist zufrieden, fotografiert mich wie den schiefen Turm in Pisa, er als Dokumentation, Kraus für den Artikel. Mir ist das egal, ich bin immer noch unter Einfluss der Medikamente. Ich kann mich umziehen. Der Chefarzt warnt mich jedoch - die nächsten zwei Tage soll ich nur Hemden tragen, auf jeden Fall kein T-Shirt, das ich über den Kopf ziehen muss. Einen Tag nach dem Eingriff darf ich auch keine Säfte, kein Sprudelwasser, Kaffee und Tee trinken, keine Zitrusfrüchte essen, drei Tage nach dem Eingriff soll ich alkoholhaltige Getränke meiden, zwei Wochen keinen Sport machen und nicht arbeiten; zumindest etwas positives - ich meine die Arbeit!

Nach Hause fahre ich mit dem Taxi – es ist vier Uhr Nachmittags, aber der Fahrer schaut mich wie den Albtraum aus der Elm Street an, zum Glück stellt er keine Fragen. Zu Hause falle ich ins Bett und schlafe sofort ein. Im Schlaf rutscht der Mull aus dem Genick und wandelt das weiße Kopfkissen in die Flagge der Arbeiterbewegung. Meine Stirn brennt und das Genickt juckt so, dass ich nur ans Kratzen denke; lieber stürze ich mich auf die Boulevardpresse.

Am zweiten Tag morgens ändert sich die Situation – auf der Stirn bildet sich ein juckender Schorf, die Spuren nach den Löchern im Genick sind fast verschwunden. Fünf Tage sind abgelaufen, und mein Kopf sieht so aus, als ob ich auf einem Kaktus eingeschlafen wäre. Aus dem Haus gehe ich nur in den Laden gegenüber für das Notwendigste zum Essen, in einem Nicki mit Kapuze, als ein Hiphop-Sänger verdeckt. Aber endlich kann ich anfangen, den Schorf zu entfernen – ganz sanft! So zart, wie ich das vertrocknete Blut an den ganz kurzen Haaren berühre, habe ich wohl noch keine Frau gestreichelt. Kleiner rotbrauner Schorf schneit in das Waschbecken – samt Haare! Ich zähle schnell: insgesamt sechsundfünfzig kleiner Haare von der Länge eines Zweitagebartes. War ich zu unvorsichtig oder hätte ich noch ein zwei Tage warten sollen? Habe ich durch meine aggressive Ungeduld das Ergebnis einer mehrstündigen Operation vernichtet? Ich rufe sofort bei der Klinik an, ich werde beruhigt: „Es sind nur die Haare ausgefallen, nicht die Haarzwiebeln selbst. Die Umpflanzung aus dem Genick in die Stirn verursachte den Zwiebeln einen solchen Schock, dass sie sich öffneten und die Haare aus ihnen herausfielen. Es kann die Hälfte der umgepflanzten Haare ausfallen und es passiert nichts. Bei Frauen fallen meist alle Haare aus. Später aber wachsen aus den Haarzwiebeln neue Haare, keine Angst.“

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Kaum jemand zählt seine Haare, jedoch bei den Follikel-Einheiten wird alles ganz genau gezählt - 95 CZK pro Stück

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Diesmal verliere ich meine Blut nicht mehr umsonst - es dient als Klebstoff für die eingepflanzten Haare

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Mit der Geschwindigkeit einer Nähmaschine werden die Haare aus dem Genick mit Hilfe zweier Pinzetten in die Stirn eingepflanzt.

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Ich verstehe - sozusagen ein „Null-Stadium“ - die Reste der alten Haare verschwinden, um den Platz dem neuen hochwertigen Bewuchs zu räumen.

Diese Phase der Prozedur erschreckt meist den Patienten - ganz umsonst. Mann kann sich in einer Anstalt für Geisteskranke erholen und die zweite Phase abwarten, die überraschende Ergebnisse bringt – auf dem Kopf wächst wie auf einem gut gedüngten Feld ein unerwartet üppiger Bewuchs. Und dazu noch – es bleiben immer noch die zehn Fälle mit unvorsehbarer Entwicklung – ich habe immer noch die Hoffnung, dass ich meine ungeahnte Schönheit psychisch nicht ertrage und nach San Francisco abreise, um dort ein wildes Leben zu führen.... Ich warte also, Monate vergehen und ich bemühe mich, die unangenehmen Bedenken aus der Gleichgültigkeit meiner Umgebung zu verdrängen – selbst meine Nächsten haben nicht bemerkt, dass auf meinem Haupt eine Mähne wächst, mit der ich auch ohne Sängerbegabung im Musical Hair sofort engagiert wäre. Für alle Fälle frage ich nach einem viertel Jahr nach der Operation bei der Kontrolle den Chefarzt Hajduk, wann das überraschende Ergebnis einsetzt und ich zu einem Prachtstück werde, nach San Francisco abreise und dort als Gigolo leben werde. „Bis die Haare eine Form bekommen, bis sich die Haut etwas erholt, die Gefäße wachsen und die Haarzwiebeln wirklich vollwertig werden, dauert es doch einige Zeit – ungefähr ein halbes Jahr.“ Ich bin geduldig. Traurig bleibt jedoch, dass wirklich der Einzige, wer während dieser Zeit die Änderungen auf meinem Kopf wirklich sorgfältig beobachtete, war mein Friseur; trotz verbreiteter Vorstellungen über Barbiere ist er kein Homosexueller, sein Interesse für mein Bewuchs war professionell ...

Zellenumzug

Genau nach einem halben Jahr absolviere ich die zweite Operation – weitere fünf Hundert Haare; nennen wir sie eine „Verdichtungsoperation“. Einen Monat später beschwere ich mich bei der Kontrolle, dass meine Haar-Umwandlung von niemandem bemerkt wurde. Der Chefarzt beruhigt mich mit einer Geschichte über seinen Patienten aus der Slowakei. „Er absolvierte drei Operationen, seine Glatze war wirklich groß – ein Kreis oben auf dem Kopf und große Ecken. Zum Glück hatte er eine gute „Spenderstelle“, wo genug Material war. Heute hat er lange Haare und wenn er seine Bekannten trifft, wundern sie sich, was mit ihm passierte. Er lacht nur, bevor er ihnen sagt, dass er doch neue Haare hat. Und sie wundern sich: ,Haare? Du hattest doch immer so viele Haare!' Er lacht noch mehr, bis er schließlich seinen Personenausweis mit einem Photo aus der Glatze-Zeit zeigt. ,Es stimmt ja,' lautet die Antwort, ,du hattest wirklich Glatze und jetzt hast du Haare! Aber wenn du es mir nicht gesagt hättest, wäre es mir wirklich nicht eingefallen!' Erwarten Sie also keine große Aufmerksamkeit ihrer Umgebung, bei dieser Operation geht es insbesondere um ihre eigene psychische Stimmung. Ich hatte einen leicht übergewichtigen Patienten aus Mähren, ungefähr vierzig Jahre alt war er, aber sah wie ein Fünfzigjähriger aus. Er war mitten im Scheidungsprozess, Selbstbewusstsein auf dem Gefrierpunkt, nur Geld ist ihm geblieben. Wir machten ein paar Transplantationen, die Ecken sind verschwunden, nach dem Kreis keine Spur. Vor kurzem hatte ich ihn getroffen – er hat dreißig Kilo abgenommen, hat eine neue Freundin und strahlt vor Selbstbewusstsein. Wir retten keine Menschenleben, aber um den Preis minimaler Schmerzen, da wir in der Tiefe von maximal fünf Millimetern arbeiten und keine Narben verursachen, bemühen wir uns, das menschliche Selbstbewusstsein zu erhöhen. Und wenn es uns ab und zu mal gelingt, jemandes Schicksal zu korrigieren, bringt es uns mehr Befriedigung als das ganze Geld.“

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In einer knappen Stunde bepflanzen die Ärzte meine beide Ecken, während ich über die Zukunft eines Gigolos träume.

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Trotz schmerzhafter Einstiche habe ich die Operation fast durchgeschlafen - die Tabletten, das war aber Material!

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So sieht mein Genick am nächsten Tag nach der Operation – die Stiche verschwinden langsam, um so mehr jucken sie aber

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Stirn, als ob ich auf einem Kaktus geschlafen hätte. In den nächsten Tagen gehe ich nur in der Nacht und mit einer Kapuze auf dem Kopf aus.

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Die Behauptung über die Operation ohne Narben kann ich bestätigen. Zwar bemerkte niemand eine Änderung auf meinem Kopf, aber niemand bemerkte auch, dass ich eine Transplantation absolviert hätte. In dieser Hinsicht machte die Heilkunst einen gewaltigen Fortschritt. Es ist nicht so lange her, wo Patienten nach der Haartransplantation wie nach Schüssen aus einer Jagdflinte aussahen. Nur zur Veranschaulichung: es wurde eine Lochstanze mit einem Durchmesser von neun Millimetern genommen, aus dem Genick wurden knapp zentimetergroße Scheiben geschossen, die dann in die haarlosen Partien auf dem Kopf eingepflanzt wurden - ohne zu nähen, im festen Glauben, dass der Körper sich irgendwie zu helfen weißt! Und der Körper hat sich geholfen – manchmal akzeptierte er die fremdartige Haut, manchmal lehnte er sie ab, die Haarzwiebeln hatten keine Zeit, sich in der neuen Umgebung zu akklimatisieren, sodass von den einhundert neun Millimeter großen Scheiben nur knapp eine Hälfte überlebte, der Rest ist abgestorben. Eine bessere Lösung wurde gefragt. So wurden aus dem Genick ganze Hautstücke, 10x2 Zentimeter groß, ausgeschnitten! Die entstandene Grube wurde einfach vernäht und der Patient sah aus wie ein Samurai nach einer nicht gelungenen Übung mit dem Schwert; natürlich sind in der Abnahmestelle keine Haare mehr gewachsen. „Manchmal blieb eine ganz feine Narbe, ein anderes Mal aber auch eine sechs Millimeter starke Narbe. Ich sah jedoch auch eine zwei Zentimeter große Narbe, und einmal sogar drei Narben übereinander, jede anderthalb Zentimeter breit! Die Haut ist zwar elastisch, sodass sie sich später wieder dehnt, aber bis es wieder so weit ist, geht ein solcher Mensch mit dem Kopf ständig zum Himmel hin gehoben,“ erzählt über seine Erfahrungen Herr Hajduk, während ich mir Fotografien unlängst gewöhnlicher Haaroperationen anschaue – für ein solches Ergebnis müsste sich nicht einmal ein Horror-Maskenbildner in Hollywood schämen. „Ehrlich gesagt, bei dieser älteren Methode war auch nicht jeder fähig alle Haare so abnehmen, ohne dabei mit dem Messer mal tiefer unter die Haut zu fahren und dabei Nerven und Muskeln durchzuschneiden“, fügt MUDr. Hajduk sachlich hinzu. Kein Wunder, dass auch diese Methode bald vergessen war.

Wir leben in einer Zeit ständiger Minimierung, sodass auch die Stücke der transplantierten Haut ständig verkleinert wurden – es wurden Streifen in Millimetern gerechnet, aber immer noch war es nicht das richtige. Die aus dem Genick entnommene Haut war in die mit einem Skalpell eingeschnittene Stirn nur schwer einzubauen – die Formen und Größen der Streifen passten oft nicht. Schließlich wurde die aktuelle Methode der Folicular Unit Extraction erarbeitet, die bis jetzt die Natur am besten nachahmen kann – zumindest passt das aus dem Genick ausgeschnittene Stück in die in der Stirn ausgeschnittene Öffnung.

Liebling der frauen

Seit der ersten Operation ist ein Jahr verlaufen, seit dem „Verdichtungsprozess“ ein halbes Jahr. Ich stehe vor dem Spiegel, ein Photo meines damaligen Haarbewuchses in der Hand, das Bild der heutigen Realität mir gegenüber. Mein Blick wandert vom Bild zum heutigen Antlitz - es ist eine Änderung! Und sehr deutlich, sogar ganz offensichtlich! Wie ist es also möglich, dass es niemand bemerkte? Um ganz ehrlich zu sein, eine Freundin bemerkte vor einer Woche, dass ich beginne grau zu werden. Es sei aber wohl sehr scharmant. Wieso konnte also die sexy Blonde am Tisch, die ich gestern beim Mittagessen buchstäblich mit den Augen ausgezogen habe, meine Mähne übersehen? Sie trug doch keine Brille! Sind die Frauen wirklich so achtlos? Ach was, zum Teufel mit ihnen! Wichtig ist, dass ich mich irgendwo in meinem Inneren viel besser fühle, so irgendwie vollwertiger, behaarter. Die Zeit, die ich jetzt jeden Morgen vor dem Spiegel in fruchtloser Bemühung verliere, mein wild gewordenes Haar wieder zu zähmen, erhöht mein Selbstbewusstsein. Und mein neu gewonnenes Selbstvertrauen muss aus mir buchstäblich strömen – gerade vorgestern wurde mir Arbeit im Rundfunk angeboten. Nach San Francisco fahre ich nicht! Und was Frauen betrifft ..... Internetbekanntschaften sind heute total trendy.

P. S.: Behaarter Fünfunddreißigjähriger sucht ...

Aktualisiert: 30.01.2008

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