Schamlippenkorrektur: Wann eine Labienkorrektur sinnvoll sein kann

Schamlippenkorrektur: Wann eine Labienkorrektur sinnvoll sein kann
Erstellt am 1.07.2026 · Aktualisierung: 1.07.2026

Eine Schamlippenkorrektur gehört zu den intimchirurgischen Eingriffen, über die viele Patientinnen nur ungern sprechen, obwohl die Beschwerden im Alltag sehr belastend sein können. Neben ästhetischen Gründen spielen häufig auch funktionelle Probleme wie Reibung, Schmerzen, Juckreiz oder Einschränkungen beim Sport und beim Geschlechtsverkehr eine Rolle. Der folgende Beitrag erklärt, wann eine Labienkorrektur sinnvoll sein kann, welche Beschwerden typisch sind und worauf Patientinnen vor und nach dem Eingriff achten sollten.

Für wen kommt eine Schamlippenkorrektur infrage?

Wir unterscheiden hier die äußeren Schamlippen, auf Lateinisch Labia majora, also die „großen“ Lippen, und die inneren Schamlippen, auf Lateinisch Labia minora, also die „kleinen“ Lippen. Im Idealfall sind die inneren Lippen von den äußeren bedeckt. Im Falle einer „Hypertrophie“, also einer übermäßigen Wucherung, welche die inneren Lippen betrifft, ragen diese in verschiedener Ausprägung heraus.

Die Ursachen sind zwar häufig genetisch, aber der westliche, „sitzende“ Lebensstil, der bekanntermaßen eine Blutstauung im Kleinbecken bedingt, spielt auch eine sehr wichtige Rolle. Die Veränderungen des Genitals während der Schwangerschaft, auch wenn sie teilweise nur vorübergehender Natur sind, tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Welche Gründe führen Patientinnen häufig zu diesen Eingriffen?

Die übergroßen inneren Schamlippen, die nicht mehr von den äußeren Lippen bedeckt sind, trocknen übermäßig aus und werden verletzlich. Sie scheuern und kleben an der Unterwäsche und stören beim Geschlechtsverkehr oder beim Fahrradfahren. Fast symbolisch kann man hier z. B. die Reiterinnen erwähnen, die sehr häufig deswegen unseren Rat suchen. Von der Hypertrophie ist häufig auch die Klitorisvorhaut mitbetroffen, was eine weitere Palette an Beschwerden, wie Einlagerung des Schleims hinter dem Klitorisköpfchen, chronischen Juckreiz und unterschwellige Entzündungen nach sich führt.

Diese Zustände, wenn sie jahrelang bestehen, können sogar durch Entartung des die Lippen bedeckenden Epithels zu präkanzerösen Veränderungen, wie z. B. einer Leukoplakie, führen. Dies ist auf keinen Fall zu bagatellisieren.

Aber auch die Patientinnen, die keine allzu großen physischen Beschwerden haben, empfinden solche Schamlippen als störend und unästhetisch, wenn sie z. B. bei einem Saunabesuch eine Gelegenheit zum Vergleich mit anderen Frauen bekommen. Diese Thematik wird in der Öffentlichkeit immer noch selten diskutiert. Viele Betroffene leiden im Stillen und trauen sich damit nicht zum Arzt.

Wie läuft die Behandlung bzw. Operation ab?

Da es viele verschiedene Varianten der Lippenhypertrophie gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Operationsmethoden. Generell werden alle derartigen Eingriffe ambulant durchgeführt, d. h., die Patientin geht am gleichen Tag nach Hause. In ganz einfachen Fällen ist sogar eine örtliche Betäubung ausreichend. In ein wenig anspruchsvolleren Fällen ist eine Allgemeinnarkose komfortabel und sogar ratsam. Die entfernten Gewebsanteile sollen aus bereits erwähnten Gründen sicherheitshalber immer zu einer mikroskopischen Bewertung eingesandt werden. Die Nachsorge ist in der Regel ganz einfach, da diese Körperregion schon von Natur aus sehr gut durchblutet ist und rasch und problemlos heilt. Der Zufriedenheitsgrad ist im Vergleich mit vielen anderen plastisch-chirurgischen Operationen auf jeden Fall sehr groß.

Worauf sollte man in der Heilungsphase achten?

Am wichtigsten ist die Hygiene, die jedoch vor allem nur aus häufigem Abduschen, insbesondere nach einem Stuhlgang, und einer ausreichenden Luftzufuhr zu der operierten Gegend besteht. Verbände sind unpraktikabel und würden nur eine infektionsanfällige „feuchte Kammer“ bilden. Die Fäden sind selbstauflösend und fallen in 1–2 Wochen von alleine aus. Nach etwa drei Monaten sind die Narben in der Regel nicht mehr zu erkennen. Vom Geschlechtsverkehr sollte man für sechs Wochen Abstand nehmen.

Die Arbeitsunfähigkeit richtet sich nach der Art der beruflichen Beschäftigung und liegt daher zwischen „0“ bei Homeoffice und sieben bis zehn Tagen bei physisch anspruchsvolleren Tätigkeiten.

Im Übrigen wird nach dem Motto „Warum soll ich mich für meine Weiblichkeit schämen?“ die Bezeichnung „Schamlippen“ von manchen Frauenrechtlerinnen scharf abgelehnt. Hier bietet sich die Verwendung des vom Lateinischen abgeleiteten Begriffs „Labien“ an, welcher neutral klingt und den Unterschied zu den Gesichtslippen trotzdem wahrt.

Dr. med. J. Tribull-Potapczuk

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

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