Warum die chirurgische Technik bei Brustvergrößerungen entscheidend für langfristige Formstabilität ist

Bei Brustvergrößerungen wird häufig über Implantatform, Implantatoberfläche oder Material diskutiert. Aus Sicht von Dr. med. Marian Stefan Mackowski ist jedoch nicht allein das Implantat entscheidend für ein langfristig stabiles und natürliches Ergebnis, sondern vor allem die chirurgische Technik, die Positionierung des Implantats und der Umgang mit dem umliegenden Gewebe. Projektion, Position und Proportion sind dabei das Ergebnis einer exakten präoperativen Vermessung und anschließenden individuellen Planung.
Herr Dr. Mackowski, aktuell wird erneut darüber diskutiert, welchen Einfluss verschiedene Implantattypen und Implantatoberflächen auf langfristige Ergebnisse nach einer Brustvergrößerung haben. Warum ist dieses Thema aus Ihrer Sicht so wichtig?
Die Frage der langfristigen Formstabilität nach einer Brustvergrößerung ist aus meiner Sicht eines der zentralen Themen in der ästhetischen Brustchirurgie. Seit Jahrzehnten wird immer wieder darüber diskutiert, ob bestimmte Implantatformen, Implantatoberflächen oder Beschichtungen langfristig bessere Ergebnisse ermöglichen. Natürlich spielt die Wahl des Implantats eine Rolle. Meiner Meinung nach greift es jedoch zu kurz, die langfristige Stabilität einer Brustvergrößerung vor allem über das Implantat selbst erklären zu wollen.
Entscheidend ist nicht allein, welches Implantat verwendet wird, sondern wie es chirurgisch positioniert wird, wie mit dem Gewebe gearbeitet wird und wie die Implantatloge aufgebaut ist. Genau hier liegt aus meiner Sicht der Schlüssel für ein langfristig stabiles und natürliches Ergebnis.
Sie sehen die Lösung also weniger im Implantat selbst, sondern stärker in der Operationstechnik?
Ja. Implantate werden seit über 60 Jahren in der Brustchirurgie eingesetzt, inzwischen in vielen verschiedenen Generationen, Formen und Oberflächen. Trotzdem sehen wir auch heute noch Revisionsraten, die aus meiner Sicht zeigen, dass das Problem nicht allein über das Implantat gelöst werden kann.
Wenn ein Implantat lediglich unter vorhandene Weichteilschichten eingebracht wird, ohne die Dynamik des Gewebes und die langfristige Belastung der unteren Brustpartie ausreichend zu berücksichtigen, entsteht aus meiner Sicht kein wirklich nachhaltiges Konzept. Die Brust ist kein statisches System. Gewebe altert, verändert sich, gibt nach und reagiert auf Zug- und Druckkräfte. Deshalb muss auch die chirurgische Technik diese Dynamik berücksichtigen.
Was unterscheidet Ihr chirurgisches Konzept von klassischen Vorgehensweisen?
Unser Konzept basiert auf einer dynamischen Implantatloge und einer gezielten Faszienplastik. Vereinfacht gesagt geht es darum, das Implantat nicht nur passiv unter das Gewebe zu legen, sondern die umgebenden Gewebeschichten so zu mobilisieren und zu stabilisieren, dass sie in einem funktionellen Verhältnis zum Implantat stehen.
Dabei wird das Implantat unter Gewebeschichten positioniert, die in unterschiedlichem Maß gelöst und neu angeordnet werden.
Diese Schichten legen sich wie eine dynamische, verschiebliche Kulisse über das Implantat. Dadurch entsteht keine starre Situation, sondern eine dauerhafte Wechselwirkung zwischen Implantat und umliegendem Gewebe.
Aus meiner Sicht ist genau diese Gewebe-Implantat-Interaktion entscheidend für die langfristige Formstabilität. Das Implantat soll sich in das chirurgisch geschaffene System einfügen – nicht umgekehrt.
Welche Rolle spielt dabei die Faszienplastik?
Die Faszienplastik dient dazu, die untere Brustregion zusätzlich zu stabilisieren. Gerade dieser Bereich ist für die langfristige Form besonders wichtig, weil hier über Jahre hinweg Schwerkraft, Gewebealterung und Implantatgewicht wirken.
Durch die netzartige Stabilisierung der unteren Brustpartie kann die Belastung besser verteilt werden. Ziel ist eine langfristig natürliche und formschöne Brust, die nicht nur unmittelbar nach der Operation gut aussieht, sondern auch über viele Jahre stabil bleibt.
Besonders wichtig ist dieser Aspekt aus meiner Sicht bei Patientinnen mit geringerer Geweberesilienz sowie bei Augmentationsmastopexien, also Kombinationen aus Brustvergrößerung und Bruststraffung. Hier nimmt die Stabilität der unteren Brustpartie eine Schlüsselposition ein.
In Ihrer Publikation mit Prof. Vogt aus Hannover haben Sie dieses Konzept bereits 2021 beschrieben. Was war damals die zentrale Aussage?
In unserer Publikation im European Journal of Plastic Surgery haben Prof. P. Vogt und ich unser Konzept der implantatbasierten multiplanen Brustvergrößerung vorgestellt. Die zentrale Aussage war, dass nachhaltige Formstabilität nicht allein durch das Implantat entsteht, sondern durch das Zusammenspiel aus Implantat, chirurgisch präparierter Loge, Faszienplastik und Weichteildynamik.
Unsere Beobachtungen über viele Jahre haben gezeigt, dass eine gezielte chirurgische Stabilisierung der unteren Brustpartie wesentlich dazu beitragen kann, langfristig stabile und ästhetisch natürliche Ergebnisse zu erreichen.
Wie bewerten Sie Empfehlungen, die vor allem auf bestimmte Implantatoberflächen oder Beschichtungen setzen?
Ich halte es für wichtig, Implantateigenschaften wissenschaftlich zu untersuchen. Gleichzeitig sollte man meiner Meinung nach vorsichtig sein, daraus zu schnell generelle Empfehlungen abzuleiten. Besonders kritisch sehe ich Empfehlungen, bei primären Brustvergrößerungen vorrangig auf bestimmte Beschichtungen wie PU-beschichtete Implantate zu setzen, wenn die eigentliche Ursache langfristiger Formveränderungen möglicherweise in der chirurgischen Technik und Gewebestabilität liegt.
Aus meiner Sicht sollte die Diskussion nicht auf die Frage reduziert werden, welches Implantat langfristig „besser hält“. Viel wichtiger ist die Frage, wie wir chirurgisch dafür sorgen, dass das Implantat langfristig harmonisch, stabil und natürlich in das Gewebe integriert wird.
Was wäre aus Ihrer Sicht der richtige nächste Schritt in der fachlichen Diskussion?
Ich wünsche mir eine offene und sachliche Diskussion unter erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Die aktuelle Studienlage bietet dafür einen guten Anlass. Es sollte jedoch nicht nur um Implantattypen, Oberflächen oder Beschichtungen gehen, sondern auch um die chirurgischen Konzepte dahinter.
Wir müssen die langfristige Formstabilität bei Brustvergrößerungen breiter betrachten: Implantatwahl, Gewebequalität, Präparationstechnik, Faszienplastik, Implantatloge und die individuelle Anatomie der Patientin gehören zusammen. Erst aus diesem Gesamtbild lässt sich eine wirklich fundierte Empfehlung ableiten.
Was sollten Patientinnen aus dieser Diskussion mitnehmen?
Patientinnen sollten wissen, dass ein langfristig schönes Ergebnis nicht allein von der Marke, Form oder Oberfläche eines Implantats abhängt. Mindestens genauso wichtig ist die Erfahrung des Operateurs, die Wahl der passenden Technik und die individuelle Planung.
Eine Brustvergrößerung ist keine reine Implantatentscheidung. Sie ist vor allem ein chirurgisches Konzept. Das Implantat ist ein wichtiger Bestandteil, aber die Qualität des Ergebnisses entsteht durch die Art und Weise, wie es eingesetzt, stabilisiert und in das Gewebe integriert wird.
Ihr Fazit?
Die langfristige Formstabilität nach einer Brustvergrößerung ist aus meiner Sicht in erster Linie eine Frage der chirurgischen Technik. Implantate sind wichtig, aber sie können eine präzise, gewebeschonende und stabilisierende Operationstechnik nicht ersetzen.
Wenn wir nachhaltige Ergebnisse erreichen möchten, müssen wir die Ursache möglicher Formveränderungen gezielt chirurgisch adressieren. Genau darin liegt für mich der entscheidende Fortschritt in der modernen Brustchirurgie.






