Eigenfetttransplantation (Lipofilling) – verständlich erklärt

Eigenfetttransplantation (Lipofilling) – verständlich erklärt
Bochum
Plastischer Chirurg
Erstellt am 5.02.2026 · Aktualisierung: 5.02.2026

Der Wunsch nach natürlichen Ergebnissen ohne Silikon oder synthetische Filler wird immer größer. Die Eigenfetttransplantation (Lipofilling) bietet die faszinierende Möglichkeit, körpereigenes Gewebe zu nutzen, um Konturen zu verjüngen oder Volumen aufzubauen. Doch ist Fett wirklich der perfekte Füllstoff? Dieser Artikel klärt über das Verfahren, realistische Anwachsraten und wichtige Sicherheitsaspekte auf.

Was ist eine Eigenfetttransplantation?

Bei der Eigenfetttransplantation, medizinisch auch autologe Fettgewebstransplantation oder Lipofilling genannt, wird Fettgewebe an Stellen mit Überschuss (z. B. Bauch, Hüften, Oberschenkel) entnommen und in Bereiche injiziert, denen es an Volumen fehlt.

Das Verfahren ist historisch gesehen nicht neu – erste Beschreibungen gibt es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Jedoch hat es erst in den letzten zwei Jahrzehnten durch standardisierte, gewebeschonende Techniken einen festen Platz in der Plastischen Chirurgie eingenommen.

Wichtig zu verstehen: Fett ist kein passives Füllmaterial wie Hyaluronsäure. Es ist lebendiges Gewebe, das Fettzellen und Stammzellen (adipose-derived stem cells, ADSCs) enthält. Zwar gibt es Hinweise auf positive regenerative Effekte für die Hautqualität, doch sollte die Volumenauffüllung das primäre Ziel sein.

Wo ist Lipofilling sinnvoll?

Der große Charme des Eingriffs liegt im "Doppelnutzen": Störende Polster werden entfernt, während andere Areale betont werden.

  • Die Brust: Ideal für Frauen, die eine moderate Vergrößerung (ca. eine halbe bis eine Körbchengröße) wünschen oder Asymmetrien und Fehlbildungen (z. B. tubuläre Brust) ausgleichen möchten. Für große Volumensprünge ist die Methode in einer Sitzung nicht geeignet.
  • Das Gesicht: Zum Auffüllen eingefallener Wangen, zur Korrektur von tiefen Augenringen oder für einen sehr natürlichen Lippenaufbau. Anders als Filler baut sich das einmal angewachsene Fett nicht komplett wieder ab.
  • Der Körper: Zur Gesäßformung (Brazilian Butt Lift / BBL), zum Ausgleich von Dellen an der Hüfte ("Hip Dips") oder zur Verjüngung des Handrückens.

Der Ablauf: Warum die Technik über den Erfolg entscheidet

Der Eingriff gliedert sich in drei entscheidende Schritte, die präzise ausgeführt werden müssen, um das Überleben der empfindlichen Fettzellen zu sichern.

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Bild 1: Der Ablauf einer Eigenfetttransplantation in drei Schritten: 1. Schonende Gewinnung mittels Liposuktion. 2. Aufbereitung zur Trennung von reinem Fett, Öl und Flüssigkeit. 3. Gezielte Injektion in das Empfängerareal (hier am Beispiel der Brust).

  1. Die schonende Gewinnung: Das Fett wird mittels Liposuktion (Fettabsaugung) gewonnen, meist unter Verwendung einer Tumeszenzlösung. Entscheidend ist ein niedriger Saugdruck, um die Zellwände der Fettzellen nicht zu beschädigen.
  2. Die Aufbereitung: Das gewonnene Material wird von Blut, Öl und Tumeszenzflüssigkeit getrennt (z. B. durch Zentrifugation, Filtration oder Sedimentation). Nur vitales, reines Fettgewebe wird transplantiert.
  3. Die Transplantation (Injektion): Das Fett wird in winzigen Mengen ("Tröpfchentechnik") und in verschiedene Gewebeschichten eingebracht. Dies ist der wichtigste Schritt: Jede transplantierte Fettzelle muss Anschluss an Blutgefäße finden, um mit Sauerstoff versorgt zu werden. Große "Fettseen" würden im Inneren absterben und Ölzysten bilden.
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Bild 2: Entscheidend für das Anwachsen ist die Injektionstechnik. Links (korrekt): Kleine Fett-Tröpfchen werden gut von neuen Blutgefäßen durchwachsen und versorgt. Rechts (inkorrekt): Ein zu großes Fettdepot wird im Inneren nicht ausreichend durchblutet und stirbt ab (Nekrose).

Realistische Erwartungen: Die Anwachsrate

Dies ist der Punkt, über den Patienten vorab am intensivsten aufgeklärt werden müssen: Nicht das gesamte transplantierte Fett überlebt dauerhaft.

Die Literatur beschreibt Einheilungsraten von etwa 30 % bis 70 %. Das bedeutet, dass ein Teil des Volumens in den ersten Wochen und Monaten vom Körper wieder abgebaut wird. Das endgültige Ergebnis ist meist nach 3 bis 6 Monaten sichtbar. Oft sind mehrere Sitzungen notwendig, um das Wunschvolumen zu erreichen. Zudem setzt der Eingriff voraus, dass die Patientin über genügend Spenderfett verfügt – bei sehr schlanken Patientinnen stößt die Methode an ihre Grenzen.

Sicherheit und Risiken

Wie jede Operation birgt auch das Lipofilling Risiken wie Schwellungen, Blutergüsse oder Infektionen. Spezifisch für diesen Eingriff ist das Risiko von Fettnekrosen (verkapseltes, abgestorbenes Fett), die als kleine Knötchen tastbar sein können.

Besonderer Hinweis zum Brazilian Butt Lift (BBL): Hier gilt höchste Vorsicht. Internationale Fachgesellschaften warnen ausdrücklich vor der Injektion von Fett tief in den Gesäßmuskel, da dies zu gefährlichen Fettembolien führen kann. Der heutige medizinische Standard erlaubt die Injektion ausschließlich in das Fettgewebe unter der Haut (epifaszial/subkutan), niemals in den Muskel.

Brustkrebsvorsorge: Aktuelle Studien zeigen keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch Eigenfett. Allerdings können Verkalkungen (Kalkspritzer durch abgebaute Fettzellen) in der Mammographie sichtbar sein. Eine erfahrene Radiologie kann diese jedoch meist gut von bösartigen Befunden unterscheiden.

Fazit

Die Eigenfetttransplantation ist eine wunderbare Methode für Patienten, die ein absolut natürliches Tast- und Erscheinungsbild suchen und Implantate ablehnen. Sie erfordert jedoch Geduld, da das Endergebnis nicht sofort sichtbar ist, und einen erfahrenen Operateur, der die Grenzen des Machbaren respektiert.

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