Neue Technologie in der Tattooentfernung

Neue Technologie in der Tattooentfernung
Autorin und Redakteurin mit Erfahrung in Journalismus und Kommunikation. Ihre Artikel drehen sich hauptsächlich um aktuelle Themen, Gesundheit und das Wohlbefinden.
Erstellt am 10.05.2016 · Update 18.05.2021

In der Vergangenheit hieß es, dass eine Tätowierung ein Leben lang bleibt, aber heute wissen wir, dass das nicht so ist. Heutzutage sind Behandlungen zur Entfernung von Tattoos viel effektiver als noch vor ein paar Jahren, und deshalb werden viele Menschen damit ermutigt, den Schritt zu wagen, das zu entfernen, von dem sie einst dachten, dass sie es für immer auf ihrer Haut eingraviert haben möchten. Es ist klar, dass man sich genau überlegen muss, bevor man sich in die Hände eines Tätowierers begibt, denn die Entfernung eines Tattoos ist kein einfacher oder preiswerter Prozess. Dennoch zeigen Statistiken, dass sechs von zehn Menschen, die sich ein Tattoo stechen lassen, es innerhalb von 5 Jahren bereuen, eine ziemlich hohe Zahl, die darauf hindeutet, dass die Entscheidung vielleicht zu diesem Zeitpunkt nicht gut genug durchdacht war. 

In diesem exklusiven Interview mit Estheticon erklärt Dr. med. George Xydias alles über die Neuheiten aus der Welt der Tattooentfernung. 

Herr Doktor Xydias, Sie haben ein neues Lasergerät, mit welchem man Tätowierungen entfernen kann. Womit ist dieses so speziell?

Nach fast 2 Jahrzehnten technologischen Stillstands, kamen 2013 die ersten Picosekundenlaser zur Tattooentfernung auf den Markt. Auch bei diesen modernen Geräten gab es zuletzt Verbesserungen, so dass ich nun den ersten und einzigen Pico-Laser in Berlin angeschafft habe und den Patienten anbieten kann. Demnächst folgt auch meine Hauptpraxis in Düsseldorf. Diese neuen High-End-Laser können jetzt endlich auch bunte Tätowierungen entfernen und die schwarzen Tattoos sind nun viel viel schneller weg, als früher. Manche einfache Nd: YAG-Laser konnten Tattoos auch nur zur Hälfte entfernen, dann war Schluss. Auch das ist jetzt kein Problem mehr. Alles in Allem ein enormer Fortschritt für den Behandler und den Patienten und das bei höherer Sicherheit und weniger Schmerzen. Der Laser, den ich einsetze, hat die schwierig zu bekommende und sehr teure FDA-Zulassung aus den USA. Das heißt, er wurde aufwendig klinisch geprüft und zugelassen wie ein neues Medikament.

Nach üblichen Laserbehandlungen bleibt eine Narbe vorhanden. Ist es auch so bei diesem Gerät?

Das ist so nicht ganz richtig. Narben gab es nur bei unsachgemäßer Anwendung, wenn z.B. zu hohe Energie verwendet wurde, weil das Gerät es sonst nicht schaffte tiefer in die Haut zu kommen. Dabei wurden Verbrennungen produziert, die zu Narben führten. Ich selbst habe seit 2007 keine Tattoos mehr per Laser entfernt, weil ich mit den vielen Behandlungen und den schlechten Ergebnissen unzufrieden war. Nur kleine Tätowierungen habe ich entfernt, und zwar chirurgisch. Mit dem neuen Picosekundenlaser habe ich nun sehr schnelle und gute Ergebnisse und wegen der extrem kurzen Impulsdauser (im Picosekundenbereich, 1 Picosekunde = 10-12 sec, das ist der billionste Teil einer Sekunde!) kann man auch nicht mehr so eine Hitze erzeugen, dass Verbrennungen entstehen. Also auch keine Narben!

Gibt es irgendwelche Risiken bei dieser Laserbehandlung?

Ja. Es wird vorher immer ausführlich aufgeklärt. Zum Beispiel Schwellung, Rötung, kleine Blutergüsse, Juckreiz und individuell unterschiedlich starke Schmerzen während der kurzen Behandlung sind häufig. Hypopigmentierung, also Verlust der Hautpigmente sehe ich sehr selten, Hyperpigmentierung, also leichte bräunliche Verfärbung sehe ich ab und zu, das geht aber nach einiger Zeit wieder zurück, insbesondere wenn man sich an das Sonnenbadenverbot für 4 Wochen nach der Laserung hält. Bei Permanent Make-up gibt es die dollsten Farbumschläge, je nachdem welcher Mist da in die Haut reingekommen ist. Aber auch das kriegt man mit dem Laser in den Griff. Es ist aber Geduld gefragt!

Mit wie vielen Sitzungen muss man rechnen, um eine Tätowierung vollständig zu entfernen?

Einfache oder selbstgemachte Tattoos sind oft schon nach 2-4 Behandlungen kaum noch zu sehen. Richtig dunkle, die man auch mit dem Finger fühlen kann, weil die viele Tinte die Haut anhebt, brauchen sogar bis zu 8 Sitzungen. Früher sind solche Tattoos erst nach 20 Sitzungen, wenn überhaupt, weggegangen. Auch wenn die Haut sich schon nach einer Woche erholt hat, empfehle ich immer 6 Wochen bis zur nächsten Laserbehandlung zu warten, um dem Körper die Zeit zu geben die pulverisierten Pigmente abzutransportieren. Dann schiesst man nicht 2x auf das selbe Pigment und der Patient spart sich am Ende eine Behandlung, die ja auch nicht billig ist.

Wie viel bezahlt man für eine Tattoo-Entfernung mit diesem Laser?

Das kommt auf viele Faktoren an, wie Größe, Farbigkeit, Zeitaufwand. Die günstigste Behandlung fängt bei 120 € pro Sitzung an. Für die Entfernung eines typischen "Arschgeweihs" muss man am Ende mit ca. 2000,- € rechnen.

Wann kann man wieder nach der Behandlung in den Alltag zurückkehren? Gibt es irgendwelche Einschränkungen zu beachten?

Es sind keine besonderen Verbände erforderlich. Eincremen und saubere Wäsche reichen als Pflege meist aus. Ich empfehle 2 Tage Sportpause und nicht zu warm zu duschen, eine Woche keine Sauna und 4 Wochen keine UV-Bestrahlung, sowohl vor, als auch nach jeder Behandlung, um Pigmentstörungen vorzubeugen.

Welche andere Anwendungen gibt es für dieses Lasergerät?

Mit dem Pico-Laser "Enlighten" kann man wunderbar Pigmente jeglicher Art entfernen, z.B. braune Altersflecken im Gesicht oder auf dem Handrücken. Dafür reicht meist eine, höchstens zwei Behandlungen aus. Im asiatischen Raum sind die Geräte der Renner um Melasmen zu behandeln, das sind größere bräunlich verfärbte Areale im Gesichtsbereich.

Herr Doktor Xydias, herzlichen Dank für das interessante Interview!

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