Brustverkleinerung: Notwendigkeit, OP-Techniken & Heilung – Experten-Ratgeber zur Mammareduktionsplastik

Brustverkleinerung: Notwendigkeit, OP-Techniken & Heilung – Experten-Ratgeber zur Mammareduktionsplastik
Bochum
Plastischer Chirurg
Erstellt am 5.02.2026 · Aktualisierung: 5.02.2026

Wann ist eine Brust zu groß? – Medizinische Einordnung, Operationsmethoden und Grenzen


Wann ist eine Brust zu groß?

Medizinische Definition und typische Symptome

In der medizinischen Praxis sprechen wir – abhängig vom klinischen Befund – von Makromastie (Brusthypertrophie) oder Gigantomastie, wenn Gewicht und Volumen der Brust zu relevanten körperlichen Beschwerden führen. Maßgeblich ist dabei nicht die BH-Körbchengröße, da diese herstellerabhängig stark variiert, sondern das Zusammenspiel aus Gewebegewicht, anatomischem Befund und Symptomen. Eine international einheitliche Grenzdefinition existiert nicht.

Typischerweise berichten betroffene Patientinnen über einen Komplex mehrerer Beschwerden:

  • Orthopädische Symptome: Chronische Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, muskuläre Verspannungen, Haltungsschäden sowie schmerzhafte Einschnürungen durch BH-Träger.
  • Dermatologische Probleme: Wiederkehrende Hautreizungen, Entzündungen oder Pilzinfektionen in der Unterbrustfalte (Intertrigo) infolge von Reibung und Feuchtigkeit.
  • Alltags- und psychosoziale Belastungen: Einschränkungen bei sportlichen Aktivitäten, Probleme bei der Kleiderwahl sowie Schamgefühl oder sozialer Rückzug.

Eine operative Reduktion des Brustvolumens führt in der überwiegenden Zahl der Fälle zu einer deutlichen Entlastung der Wirbelsäule und zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität.


Operationsplanung: Mehr als „ein Körbchen kleiner“

Ein zentraler Planungsparameter ist das Resektionsgewicht, also das Gewicht des Brustgewebes, das pro Seite entfernt wird. Dieses reicht von etwa 400–600 g pro Seite bei moderater Hypertrophie bis zu >1500 g pro Seite bei ausgeprägter Gigantomastie. Dabei handelt es sich um einen Orientierungswert, nicht um eine ästhetische Zielgröße.

Zusätzlich wird beurteilt, wie stark die Brust abgesunken ist (Ptose). Bei ausgeprägter Ptose befindet sich die Brustwarze am tiefsten Punkt der Brustkontur. In solchen Fällen ist eine reine Volumenreduktion nicht ausreichend, sondern muss mit einer Straffung und strukturellen Neuformung kombiniert werden, um ein ästhetisch stabiles und langfristig haltbares Ergebnis zu erzielen.


Moderne Operationstechniken bei der Brustverkleinerung

Es existiert keine universell beste Technik. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Anatomie, Hautqualität, Ausgangsvolumen und Resektionsmenge. Ziel moderner plastisch-ästhetischer Chirurgie ist es, funktionell relevantes Gewebe zu erhalten, die Durchblutung und Sensibilität des Mamillen-Areola-Komplexes zu sichern und die Stillfähigkeit möglichst nicht zu beeinträchtigen.

1. Äußere Schnittführung (Narbenmuster)

  • T-Schnitt (Ankerschnitt): Periareolär, vertikal und in der Unterbrustfalte. Standardtechnik bei sehr großen Brüsten mit relevantem Hautüberschuss und ausgeprägten orthopädischen Beschwerden.
  • Vertikaler Schnitt (Lejour / „Lollipop“): Ohne horizontale Narbe in der Unterbrustfalte. Geeignet für moderate Verkleinerungen bei guter Hautelastizität.
  • L-Schnitt: Modifikation des T-Schnitts mit verkürzter Narbe in der Unterbrustfalte.

2. Innere Technik: der Gewebestiel (Pedikel)

Der Gewebestiel dient der sicheren Versetzung der Brustwarze unter Erhalt von Durchblutung und Nervenversorgung:

  • Superomedialer Pedikel: Häufig bevorzugt bei großen Brüsten, stabile Form und gute Projektion.
  • Inferiorer Pedikel: Sehr zuverlässig, langfristig jedoch erhöhte Neigung zum „Bottoming-out“.

Was bedeutet „innerer BH“?

Der Begriff „innerer BH“ beschreibt kein klar definiertes chirurgisches Verfahren, sondern einen marketinggeprägten Sammelbegriff für unterschiedliche Techniken zur inneren Stabilisierung der Brust. Er kann bei Brustverkleinerungen, Bruststraffungen und ausgewählten Brustvergrößerungen sinnvoll sein.

  • Parenchymale Umlagerungen
  • Dermale Lappen
  • Interne Fixationsnähte
  • Einsatz synthetischer Netze oder biologischer Matrizes

Ein innerer BH verhindert keine Alterungsprozesse und ist kein Garant für dauerhafte Formstabilität. Er kann jedoch die Haut entlasten und zur längeren Erhaltung des Operationsergebnisses beitragen.


Ablauf der Operation und Heilungsverlauf

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert in der Regel 2–3 Stunden. Dank moderner Techniken kann häufig auf Drainagen verzichtet werden.

  • Woche 1: Schonung, konsequentes Tragen eines Kompressions-BHs
  • Woche 2–4: Leichte berufliche Tätigkeit nach ca. 10–14 Tagen möglich
  • Woche 4–6: Stufenweise Rückkehr zu sportlicher Aktivität

Das endgültige Ergebnis ist erst nach mehreren Monaten beurteilbar. Individuelle Heilungsverläufe variieren.


Risiken und Grenzen

Zu den allgemeinen Risiken zählen Wundheilungsstörungen (häufig im Bereich des T-Punkts), Nachblutungen und Infektionen.

  • Sensibilität: Vorübergehende Gefühlsveränderungen sind möglich; vollständige Erholung kann nicht garantiert werden.
  • Stillfähigkeit: Kann trotz schonender Techniken im Einzelfall eingeschränkt sein.
  • Narben: Dauerhaft vorhanden, jedoch im Verlauf meist deutlich abblassend.

Podcast: Fachliche Einordnung aus der Praxis

In diesem Video werden medizinische Hintergründe, operative Entscheidungsprozesse und typische Patientenfragen zur Brustverkleinerung praxisnah erläutert.

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Fazit und Kostenübernahme

Eine operative Reduktion kann bei entsprechender Indikation eine nachhaltige Linderung körperlicher Beschwerden bewirken. Die Kostenübernahme durch Krankenkassen erfolgt ausschließlich als Einzelfallentscheidung und setzt den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit voraus.

Weiterführende medizinische Informationen zur Brustverkleinerung finden Sie hier.

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