Ein junger ästhetischer Chirurge sollte eine Führung haben …

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Er hat beim Professor Fahoun gelernt. Er hat etliche Erfahrungen gesammelt und viele auch selbst weitergegeben. Er gehört zu den besten Operateuren in ästhetischer Chirurgie. Über die Erziehung junger Ärzte, Risiken und misslungene Eingriffe haben wir mit dem Chefarzt des Instituts für ästhetische Chirurgie, Dr. Med. Dušan Záruba gesprochen.

Herr Záruba, wie sind Sie zur ästhetischen plastischen Chirurgie gekommen?

Nach der Attestation habe ich beim Professor Fahoun begonnen, der mich in die ästhetische Chirurgie einweihte. Zu seiner Zeit war er der einzige Chirurge bei uns, der sich der ästhetischen Chirurgie voll widmete. Uns allen, die bei ihm arbeiteten, übergab er seine Erfahrungen und Fachkenntnisse.

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Sie selbst wurden also persönlich von einem erfahrenen Operateur geführt, welche Rolle in der Ausbildung der Ärzte spielt eine solche Führung?

Das hat natürlich eine große Bedeutung. Einen jungen Arzt, bevor er beginnt alleine zu operieren, sollte jemand führen. Leider ist es meist nicht der Fall.

Wenn Sie einem misslungenen Ergebnis einer Operation begegnen und die Schuld dafür eindeutig der Operateur trägt, informieren Sie ihn darüber?

Sofern ich dies direkt mit dem Patienten abwickeln kann, nein.

Halten Sie das für den ersten Operateur nicht für wichtig?

Es wäre vielleicht gut, aber manchmal ist die Kommunikation schwierig. Meist informiere ich den Arzt nur dann, wenn ich ihn kenne.

Kommt es vor, dass zu Ihnen Patienten zur Nachoperation nach Eingriffen kommen, die immer von demselben Arzt durchgeführt wurden?

Ja, sicher. Es gibt Ärzte, die keine Probleme haben und dagegen Kliniken, wo solche Fälle mehrmals auftreten.

Kann dies irgendwie geregelt werden?

Zurzeit gibt es keine Rechtsnormen, die die Durchführung bestimmter Eingriffe einigen Ärzten ermöglichte oder anderen nicht. Solange kein Patient ernsthaft verletzt wird, kann dies nicht geregelt werden. Die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Operation ist keine ernste Verletzung.

Welche Rolle spielt in dieser Problematik die Gesellschaft für ästhetische Chirurgie?

Die Gesellschaft kann nur Empfehlungen geben. Wenn der Arzt eine Attestation in plastischer Chirurgie hat, ist es nicht möglich, ihm etwas vorzuschreiben.

Ist zum Beispiel für die Attestation in plastischer Chirurgie eine gewisse Anzahl von Eingriffen durchzuführen?

Nein, in der Attestation sind keine ästhetischen Eingriffe inbegriffen. Dies ist entscheidend, da die Attestation in plastischer Chirurgie aus der allgemeinen plastischen Chirurgie oder aus ihren Fachbereichen abgelegt wird. Die ästhetische Chirurgie wird jedoch nirgendwo unterrichtet, auch wenn 70% der Ärzte mit Attestation ihr Geld mit ästhetischer Chirurgie verdienen.

Ist ihrer Meinung nach gefährlich, wenn ausländische Patienten nach der Operation so früh wie möglich nach Hause fahren wollen?

Es ist problematisch. Es gibt Kliniken, die sich zum Beispiel 20 Ausländer bringen lassen, diese innerhalb von zwei Tagen operieren, nach zwei Tagen wieder nach Hause schicken und dann nie mehr sehen. Das hat mit der Medizin nichts zu tun. Es muss die Möglichkeit bestehen, Patienten zu kontrollieren.

Halten Sie für wichtig, einen Zeitabstand zwischen dem Besuch des Patienten und dem Eingriff selbst einzuhalten?

Ich halte das für wichtig bei einem von ca. zwanzig Patienten. Wenn jemand zum Beispiel nicht weißt, was er von der Operation zu erwarten hat, muss er darüber mit dem Arzt sprechen und anschließend alles gut durchdenken. Aber der heutige Informationsstand, zum Beispiel dank Internet, ist sehr hoch. Über die Problematik der Standardeingriffe sind die Patienten meist sehr gut informiert und bei dem Besuch brauchen Sie mehr oder weniger konkrete persönlich bezogene Details präzisieren.

Sie lassen also die Variante zu: an einem Tag Besuch, am zweiten der Eingriff?

Wenn ich zum Beispiel mit dem Patienten zwei Monate lang per E-Mail kommuniziere und seine Photos gesehen habe, dann lasse ich diese Möglichkeit zu. Etwas anderes ist, wenn ich einen Patienten zum ersten Mal im Leben sehe und sollte ihn am nächsten Tag operieren. Wenn es sich zum Beispiel um einen Patienten mit herabgesunkenen Augenlidern handelt, ist nichts zu überlegen. Anders ist es jedoch bei einem Eingriff, der den Gesichtsausdruck ändern soll, wie zum Beispiel bei Nasenkorrekturen. Die würde ich gleich am nächsten Tag wahrscheinlich nicht machen.

Wodurch kann ein Arzt Ihrer Erfahrungen in der ästhetischen Chirurgie gestresst werden?

Heute bin ich nicht mehr dadurch gestresst, ob ich einen Eingriff schaffe oder nicht. Der Professor Fahoun hat immer gesagt, dass jeder Chirurge sich die meisten Komplikationen selbst zufügt und er hatte Recht. Die Praxis und die Erfahrungen lernen den Arzt, Komplikationen zu vermeiden. Wodurch ich aber gestresst bin, sind unerwartete Komplikationen, die bei jedem Patienten eintreten können, und auch heutzutage nicht eingeschätzt werden können. Auch bei einem ästhetischen Eingriff können Komplikationen vorkommen, die den Patienten am Leben gefährden. Dann muss der Operateur schnell von der ästhetischen Chirurgie in die klassische Medizin wechseln. Nicht jeder Patient ist sich diesen Risiken bewusst.

Ich möchte noch einmal die Problematik der Brustvergrößerung ansprechen. Wie lange sollte die Pflege der Patientin nach einer Brustvergrößerung dauern?

Eine Brustvergrößerung sollte nicht eine einmalige Angelegenheit sein. Jede Frau mit Implantaten sollte einem System langfristiger Beobachtung unterliegen und die Möglichkeit haben, sich jederzeit auf die Klinik zu wenden, wo der Eingriff erfolgte. Die Brustvergrößerung ist ein Eingriff, bei dem Komplikationen nach einem halben Jahr, aber auch nach fünf oder zehn Jahren auftreten können.

Wächst die Tendenz in den Kliniken, die Brustvergrößerungen durchführen, so zu verfahren?

Ich denke, dass eher eine gegensätzliche Tendenz wächst – den Patienten zu operieren und ihn nicht mehr zu sehen. Typisch sind eben die ausländischen Besucher, die sie dann nicht mehr sehen. Ich halte das nicht für richtig.

Aktualisiert: 16.06.2010

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