Behandlung des Krampfaderleidens mit dem Clariveinverfahren

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Das Krampfaderleiden tritt in den westlichen Ländern mit zunehmender Häufigkeit auf. Diese Erkrankung der oberflächigen Beinvenen stellt nicht nur ein kosmetisches Problem dar. Unbehandelt kann das Krampfaderleiden zu erheblichen gesundheitlichen Problemen, bis hin zu "offenen Beinen" führen.

Wichtigste Ursache ist eine erbliche Bindegewebsschwäche. Faktoren, die zusätzlich zur Entstehung des Krampfaderleidens beitragen, sind: stehender Beruf,  Übergewicht, Schwangerschaft, mangelnde Bewegung und Nikotinabusus.

Es sind nicht nur Frauen betroffen, sondern zunehmend auch Männer.

Wichtig ist immer eine exakte Diagnosestellung. Mit den Ultraschallverfahren Duplex- und Dopplersonografie kann der behandelnde Arzt exakt feststellen, welche Venen erkrankt sind und wie er dem Patienten am besten helfen kann.

Sind die sogenannten Stammvenen (Vena Saphena magna und Vena Saphena parva oder zu Deutsch große bzw. kleine Rosenvene) erkrankt, gibt es zur Behandlung glücklicherweise inzwischen ein neues, nahezu schmerzfreies Behandlungsverfahren, das Clariveinverfahren.

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Bis vor einigen Jahren war die klassische Stripping-Operation der Goldstandard in der Behandlung der Krampfadern. Man hat bei dieser Operation nicht nur die Stammvenen „herausgezogen“, sondern auch in der Leiste eine sogenannte Crossektomie (= Unterbindung aller in die Stammvene einmündenden Venen) durchgeführt und häufig auch noch weiter Seitenäste am ganzen Bein über kleinere Hautschnitte gezogen. Es entsteht bei dieser Operation eine erhebliche Wundfläche mit nachfolgend Blutergüssen und häufig auch Verletzung der Lymphgefäße mit Lymphabfluss-Störungen. Daher hat man diesen Patienten eine Kompressionstherapie (Stützstrümpfe der Klasse 2 oder elastische Wickeln) verordnet. Im Sommer war dies den Patienten nicht zuzumuten, daher hat man überwiegend im Herbst und Winter die Krampfaderoperationen durchgeführt.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich jedoch in den Behandlungsverfahren endlich etwas geändert: Weg von den häufig mit schwerwiegenden Komplikationen behafteten Operationen, hin zu den zunehmend schmerzarmen und komplikationsarmen endovenösen Katheter-Verfahren.

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Es wurden schonende, sogenannte endovenöse Verfahren entwickelt, wobei ein Katheter in die erkrankte Stammvene eingeführt wird(=endovenös) und die Vene mit Hilfe dieses Katheters verschlossen wird.

Am Anfang dieser endovenösen Verfahren stand der Laser. Mit Hilfe der Laserenergie wurde durch die entstandene Hitze das Blutgefäss dauerhaft verschlossen. Es entstanden schnell Temperaturen von über 600 Grad Celsius, sodass bei diesem Laserverfahren das umgebende Gewebe gekühlt und auch betäubt werden musste. Diesen Zweck erreicht man mit der sogenannten Tumeszensanästhesie. Trotz dieser Tumeszensanästhesie hatten die Patienten häufig nach einigen Tagen erhebliche Schmerzen im behandelten Bein. Man kann sich vorstellen, dass die Kühlung häufig nicht ausreichte und es dennoch zu einer Art Verbrennungswunde im Bein kam.

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Im Laufe der Jahre hat man mit geringeren Temperaturen experimentiert und letztendlich einen Katheter entwickelt, der mit Radiofrequenzenergie, also ebenfalls auch mit Wärme, die erkrankten Venen dauerhaft verschließt. Dieser Radiofrequenzkatheter, wie z.B. der VNUS closure Katheter wird nur bis 120 Grad Celsius warm. Alle Studien zeigten deutlich, dass bei gleichen Verschlussraten das VNUS closure Verfahren hinsichtlich derpostoperativen Schmerzen nach der Behandlung, dem Laserverfahren deutlich überlegen war, d.h., dass die Patienten, die mit dem VNUS closure Verfahren operiert wurden, viel weniger Schmerzen hatten.

Seit ca. 2009 steht eine völlig neue endovenöse Behandlungsmethode zur Verfügung, das Clariveinverfahren.

Professor Steve Elias in den USA hat dieses neue Verfahren entwickelt. Es handelt sich um ein mechanisch-chemisches Kombinationsverfahren. Hierbei wird ein noch viel dünnerer Katheter in derselben Art und Weise wie der Laser bzw. der Radiofrequenzkatheter in die Vene eingeführt, jedoch erfolgt der Verschluss nicht mit Hilfe von Hitzeenergie; an der Spitze des sehr dünnen Clariveinkatheters befindet sich ein Propeller. Dieser Propeller schlägt während der Behandlung gegen die Veneninnenwand, wodurch sich die Vene zusammenzieht und gleichzeitig beschädigt wird. Während der Katheter langsam zurückgezogen wird, wird gleichzeitig ein sogenannter Mikroschaum in die Vene gespritzt, und somit die Vene dauerhaft verschlossen. Dieser Mikroschaum wird aus einer Mischung von dem Verödungsmittel Aethoxysklerol und Luft bzw. CO2/O2-Gemisch hergestellt.

Ganz großes Plus dieses Verfahrens ist, dass es nahezu schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es ist keine örtliche Betäubung/Tumeszens des gesamten Beines notwendig. Lediglich die Punktionsstelle, also dort, wo der Katheter eingeführt wird, wird eine kleine örtliche Betäubung gesetzt.

Nach dem Eingriff sollte der Patient für 48 Stunden einen Kompressionsstrumpf der Klasse 2 tragen.

Messen und vergleichen lassen müssen sich diese neuen Verfahren mit dem bisherigen Goldstandard, der klassischen Stripping/Crossektomie Operation.

Die meisten und sehr umfangreichen Studien belegen eine sehr gute und häufig bessere Wirksamkeit der endovenösen Katheterverfahren im Vergleich mit der klassischen Operation. Ganz deutlich und statistisch signifikant besser als die klassische Operation, schließen die endovenösen Verfahren jedoch hinsichtlich der postoperativen Schmerzen und der schnellen Rekonvaleszenz ab.

Ganz wichtig für das Wohlbefinden der Patienten ist auch, dass das lange Tragen von Stützstrümpfen von bis zu 6 Wochen nicht mehr notwendig ist.

Für das Clariveinverfahren liegen seit Juli 2012 nun die 2 Jahres Ergebnisse von zahlreichen Studien vor. Diese zeigen eindeutig gleich gute Ergebnisse wie bei dem Laser und Radiofrequenzverfahren und damit auch gleich gute, bzw. häufig bessere Ergebnisse wie bei der klassischen Operation.

Im Gegensatz zum Laser- und Radiofrequenzverfahren, besticht das Clariveinverfahren jedoch durch seine nahezu schmerzfreie Durchführung und damit noch schnellere Wiederaufnahme der alltäglichen Gewohnheiten einschließlich Sporttreiben.

Im Prinzip ist es möglich, in der Mittagspause sich kurz die Venen behandeln zu lassen, um sofort anschliessend seiner Arbeit wieder nachgehen zu können.

Publiziert: 21.09.2012

Autor

Dr. Martin Pelle hat Humanmedizin an der Rheinisch Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen studiert. Als Facharzt für Chirurgie arbeitet er seit 2011 in der Praxis für Chirurgie, Phlebologie und ambulante Operationen in Wohlen. Zu seinen Schwerpunkten gehört auch dauerhafte Haarentfernung.

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